Raquel da Silva

Es gibt Menschen, die stehen mit ihrer Umgebung in einem ständigen Austausch. Durch Blicke, mit Worten und Gesten, dem Gesichtsausdruck. Es ist eine bewundernswerte Offenheit, die von solchen Menschen ausgeht. Die in der Nähe von São Paolo aufgewachsene Raquel ist eine solche Person.

portraitverschwommen-12Doch es gibt Umstände, die auch für jemand wie sie nicht mehr zu bewältigen sind. Rassismus, Armut und die Unmöglichkeit beruflicher und persönlicher Entwicklung sind die Eckpfeiler der Welt, die zuviel für Raquel wurde. Ihre Cousine, die mit einem Schweizer verheiratet war, bot ihr 2008 Schutz und die Chance, in Basel einen Neuanfang anzugehen. Mit Arbeiten in Restaurants, einer Wäscherei und Privathaushalten konnte sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das Gratis-Kulturprogramm von Basel half ihr, sich von den oft über 12 Stunden dauernden Arbeitstagen zu erholen und an anderes als dreckige Teller, Kleider und Böden zu denken.

Fest steht, dass die heute 62-jährige Raquel nichts von ihrem offenen Blick auf die Welt eingebüsst hat. Es ist diese neugierige Aufmerksamkeit, die ihre Beziehung zu Basel, zu seinen BewohnerInnen und dem hiesigen kulturellen Leben geprägt hat. Hier hat sie endlich eine stimmige und dauerhafte Lebensweise gefunden, in der sie sich und ihre Neugier entfalten kann.